EHEMALIGE SYNAGOGE ZELL

Die Synagogengemeinde Zell wurde 1849 durch den Erwerb eines Gebetsraumes im Zeller Schloss begründet und umfasste auch die Nachbarorte im Zeller Hamm: Pünderich, Briedel, Merl, Bullay, Alf und
Bad Bertrich.

Insgesamt zählte die Gemeinde im Jahr 1925 achtzig Mitglieder, deren Familienoberhäupter von Beruf Kaufleute, Uhrmacher, Tuchhändler, Gastwirte, Fleischer, Schneider und Weinhändler waren.

Bis ca. 1935 übten sie ihre Berufe ungestört aus, lebten die Familien in Frieden. Danach begannen die Schikanen und es gelang der Mehrzahl der Juden zu emigrieren, vor allem in die USA, nach Palästina, Südamerika, Südafrika.

Ab 1940 begannen die Nazis mit der Deportation der verbliebenen jüdischen Bevölkerung. Männer, Frauen und Kinder wurden in die Ghettos der größeren Städte (Trier, Koblenz, Köln) verbracht, um sie von dort aus in die Vernichtungslager des Ostens zu schicken.

Im Zeitraum von 1936 bis 1943 verloren 34 Mitglieder der Zeller Synagogengemeinde durch die Gewaltherrschaft der Nazis ihr Leben.

In den Jahren nach der Shoah ist es vor allem die Familie Piacenza, die das Erbe der Jüdischen Gemeinde und die Erinnerung an sie bewahrt. Ihrem Betreiben verdankt sich auch ein Raum der Erinnerung im Museum der Stadt Zell. Dort sind sämtliche Familien der ehemaligen jüdischen Gemeinde dokumentiert mit Stammbäumen, Urkunden, Zeitungsdokumenten, Fotos und Kultgegenständen des privaten Gebrauchs. Ebenso wird die Geschichte der Zeller Synagogengemeinde anschaulich dargestellt, Texttafeln informieren über die Besonderheiten der einzelnen Orte im Zeller Hamm.
Allen Gemeindemitgliedern, insbesondere den Opfern des Holocaust wird durch ein Tuch, bzw. eine Gedenktafel eine bleibende Erinnerung gegeben.

Der Friedhof der Synagogengemeinde Zell befindet sich 4 km flussabwärts von Zell in Bullay (Nispelter Kehr). 1895 kaufte die Gemeinde das 1306 m² große Flurstück inmitten der Weinberge. Ursprünglich gehörte der Friedhof der jüdischen Gemeinde Merl. Schon vor Gründung der Synagogengemeinde Zell bestatteten auch die Zeller Juden hier ihre Verstorbenen. Auch die Verstorbenen der Nachbarorte Bremm, Alf, Bullay, Merl, Zell, Briedel und
Bad Bertrich fanden hier ihre letzte Ruhe. Mehr als 50 Grabsteine, die jüngeren mit deutschen Inschriften, sind erhalten, teils noch in gut lesbarem Zustand. Der älteste erhaltene Grabstein datiert aus dem Jahr 1831. Die hebräische Inschrift benennt ein Mitglied der Zeller Familie Sontheimer.
Der jüngste Stein bezeichnet die Grabstätte der Johanna Wolf aus Merl, 1937.

Der Jüdische Friedhof wurde zweimal in seiner wechselvollen Geschichte geschändet, 1941 von der SA und 1946 von Altnazis.

Heute ist der Friedhof Eigentum der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und steht seit 1995 unter Denkmalschutz.

Die Zeller Gemeinde existierte beinahe 90 Jahre. Sie endete am 10. November 1938 durch die Pogromnacht.