1847
Die Gemeinde gründet den Synagogenverband Zell um den Wunsch nach einem gemeinsamen Betraum zu verwirklichen. Die israelitische Gemeinde der Ortschaften Pünderich, Briedel, Merl, Bullay, Alf, Bad Bertrich und Blankenrath zählt 74 Personen, die zum Gebet kleine private Bethäuser z.B. in Merl nutzen.

1849
Jakob Bermann, Jakob Hirsch und Moses Hirsch erwerben als Vertreter der Zeller Synagogengemeinde die zweite Etage eines Anbaus des ehemaligen kurtrierischen Schlosses. Dieser Anbau diente in früherer Zeit als Gesindequartier. Der Kaufpreis beträgt 300 Taler Preußisch Courant. Die Gemeinde muss als Auflage des Verkäufers, des preußischen Landrats Alexander Moritz, auf eigene Kosten eine neue Tür zur Jakobstraße brechen und den ehemaligen Zugang vom Schlosshof zumauern, da der Durchgang durch den Hof nicht mehr erlaubt wird.
In die Ostseite wird ein Thoraschrein eingelassen, des weiteren erhält der Gebetsraum ein Pult für den Vorbeter und Bänke für die Gemeinde. Von der Straße führen drei Stufen zu einem kleinen Vorraum, geradeaus ist das Frauenabteil, links das der Männer. Die Teilung erfolgt durch eine ca. 1,20 m hohe Wand, ein Vorhang bis zur Decke vervollständigt die Trennung der Geschlechter.
Die Sitzflächen der Bänke sind klappbar um Gebetsschals und Gebetbücher aufzubewahren.
Die neue Synagoge bietet ca. fünfzig Personen Platz, wird aber schon bald wieder zu klein für die wachsende Gemeinde, die zur Jahrhundertwende auf über einhundert Mitglieder angewachsen ist. Die Jüdische Gemeine plant einen Neubau und erwirbt ein Grundstück in der Hauptstraße 5 (heute Hotel Mayer).
Die begonnen Bauarbeiten werden mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingestellt, nach dem Krieg sind die Ersparnisse der Gemeinde in Kriegsanleihen verloren, der Rohbau wird versteigert.

1927
Statt des Neubaus wird die bestehende Synagoge renoviert, eine Empore für die Frauen wird gebaut, der Thoraschrein erneuert und vergrößert, die beiden Rundfenster der Ostseite zugemauert, elektrische Beleuchtung installiert und es wird eine Gedenktafel für die Toten des Ersten Weltkriegs angebracht. Die Menorah, die Gesetzestafeln und der Giebel der Jakobstraße werden erneuert, die Wände werden durch einen ockerfarbigen Anstrich verziert der Sternenhimmel wird gemalt, die Essener Synagogengemeinde stiftet Bänke.
Die Gedenktafel für die Gefallenen wird vom beauftragten Bildhauer Wendhut aus Traben Trarbach zunächst mit einem Stahlhelm als Ornament angefertigt. Der Gemeindevorsteher
Max Bender ist der Meinung ein Stahlhelm gehöre nicht in ein Gotteshaus, er besteht auf einer Änderung, so entsteht das Antlitz einer trauernden Frau, ein doppelter Verstoß gegen das übliche Gebot keine Menschen abzubilden, geschweige denn Frauen.

1938
In der Progromnacht vom 8. auf den 9. November entfernt die örtliche Polizei auf höhere Weisung alle wertvollen, also edelmetallenen Kultgegenstände, wie Ewiges Licht, Menorah, Thoraschilder, Mesusa, bevor ein Schlägertrupp der SA “dem empörten Volkszorn wegen der Ermordung des Legationsrats von Rath in Paris” freien Lauf lässt. Das verbliebene Inventar wie Thoraschrein, Thorarolle und – vorhang, Bänke, Leuchter und Fenster werden demoliert oder gestohlen.
Unangetastet bleiben die Ornamente aus Sandstein wie die Kriegsgefallenentafel, die Menorah im Türstock außen und die Gesetzestafeln. Auch die mit acht Davidsternen verzierte Eichentür bleibt unversehrt. Grund hierfür ist: Einer der Traben-Trarbacher SA – Schläger (in Zivil) ist der Sohn des Bildhauers Wendthut, der die Steinmetzarbeiten 18 Jahre zuvor schuf. “Dä Kram vunn mäinem Vadda gett net onngerehrt!” So berichtet ein Zeitzeuge.
Laut Polizeiprotokoll durfte die Synagoge nicht gebrandschatzt werden, wegen des kurfürstlichen Schlosses im gleichen Gebäude. Das Leben der Synagogengemeinde Briedel-Zell endet nach beinahe 90 Jahren an diesem 10. November.

1939
Als letztes verbliebenes Gemeindemitglied der Synagoge muss der Fleischer Gustav “Israel” Harf aus Bullay das Gebäude für 1000,- RM an den Schlossbesitzer Bohn verkaufen. Der Kaufpreis wird nie gezahlt.

1940
Der Textilkaufmann P. J. Piacenza mietet die Synagoge als Lagerraum, auch um das ehemalige Gotteshaus vor weiteren Entweihungen zu schützen. An die Innenseite der Tür schreibt er das Wort “kosher”.
Die Nazis beginnen mit der Deportation der verbliebenen Juden und ihrer Familien. Sie werden in den Ghettos der größeren Städte (Trier, Koblenz, Köln) gesammelt und von dort aus in die Vernichtungslager des Ostens geschickt. Bis 1943 fallen 34 Männer, Frauen und Kinder der Gewaltherrschaft der Nazis zum Opfer.

1995
Der Landkreis Cochem – Zell lädt die in aller Welt verstreut lebenden ehemaligen Zeller Juden zu einer Begegnungswoche ein. Acht folgen dieser Einladung.

1999
Nachdem die Bürgermeister von Zell, Döpgen und Bamberg sich bereits in den 1980er / 90er Jahren bemühen, die ehemalige Synagoge zu erhalten, formiert sich erstmals der Freundeskreis. Der noch lockere Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern prüft Möglichkeiten, eine weitere, zweckfremde Nutzung des Raumes nachhaltig zu verhindern. Zunächst ergeht eine Anfrage an das Landesamt für Denkmalpflege, welches die ehemalige Synagoge umgehend unter seinen Schutz stellt.

2000
Gründung des eingetragenen Vereins “Freundeskreis der Synagoge Zell” mit dem Ziel, die Ehemalige Synagoge zu restaurieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

2001
Der Verein erhält die Ehemalige Synagoge von den Eigentümern des Schloss Zell als Schenkung, mit den Auflagen, den Raum zu versichern und die Energiekosten zu tragen.
Als Eigentümer kann der Verein nun den Wunsch nach Sanierung an das Landesamt für Denkmalpflege richten, in dem Sinne, den Raum nicht im aktuellen Zustand zu konservieren, sondern vielmehr eine Wiederherstellung des letzten intakten Zustandes anzustreben.

2002
Ende des Jahres beginnt die Restaurierung. Durch Eigenleistung der Vereinsmitglieder und Unterstützer sowie Honorarverzicht des beauftragten Architekten kann der Freundeskreis 20% des veranschlagten Gesamtetats einsparen. Die verbleibenden Kosten werden zu 60% vom Amt für Denkmalschutz getragen, 40% übernehmen die Stadt Zell, die Verbandsgemeinde und der Kreis Cochem-Zell.

2003
Der Raum wird nach Fotos und Erinnerungen behutsam in Stand gesetzt. Es wird bewusst darauf verzichtet, alle Spuren der Vergangenheit zu tilgen, der Schriftzug “kosher” bleibt ebenso erhalten, wie Spuren von Vandalismus im Mauerwerk und Reste des originalen Wandschmucks. Die Wände werden wieder ockergelb geputzt, der Sternenhimmel handgemalt. Der Senheimer Künstler Christoph Anders gestaltet und stiftet die Menorah. Am 25. Oktober wird der ehemalige Gebetsraum in einer Feierstunde der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Seitdem beleben regelmäßige Öffnungszeiten sowie kulturelle Veranstaltungen das historische Gebäude, welches auch Erinnerungsort für die Verfolgten und Opfer der Naziherrschaft ist.