Seit dem 23. 4. 2015 liegen auch im Bereich der ehemaligen Synagogengemeinde Zell STOLPERSTEINE für die im Nationalsozialismus Vertriebenen und Ermordeten. Im Gehsteig vor Wohnungen und Häusern in Bad Bertrich, Bullay, Merl, Zell und Pünderich wird die Erinnerung an die verschwundenen Nachbarn wachgehalten. Der Freundeskreis der Synagoge dankt allen, die durch Patenschaften und Spenden diese Orte der Erinnerung möglich gemacht haben.

Das Museum Zell beherbergt bereits seit vielen Jahren eine sehenswerte Dauerausstellung, die das Leben der Zeller Juden umfangreich dokumentiert in Dokumenten, Fotos, Hausrat und Kultgegenständen jüdischen Lebens.

Das Kunstprojekt STOLPERSTEINE des Kölner Künstlers Gunter Demnig wurde im Freundeskreis der Synagoge erstmals 2002 diskutiert, die Umsetzung schien jedoch in weiter Ferne. Einerseits wurden in den Großstädten so viele Steine verlegt, dass es zu Engpässen und sehr langen Wartezeiten kam, andererseits taten sich die ländlichen Gebiete oft eher schwer. Vielfältig waren die Einwände und Bedenken zu diesem Erinnerungsprojekt.

2013 nahmen sich die Kreisverwaltung Cochem – Zell und der “Wochenspiegel” sich des Themas an und schließlich fanden die STOLPERSTEINE auch im Kreis Cochem – Zell die breite Zustimmung der Verwaltung und Öffentlichkeit.
Im Februar 2014 begann eine Arbeitsgruppe im Freundeskreis der Synagoge die STOLPERSTEINE für die Zeller Gemeinde erneut zu projektieren:

Bereits ein gutes Jahr später, am 23. 4. 2015 konnten die ersten acht Steine für die Familien Bermann/Frank und Wolf in Zell, Geisel /Gamiel in Zell-Merl und für den politisch verfolgten Jakob Koch verlegt werden. Drei weitere Steine der Familie Wolf aus Merl haben ihren vorläufigen Platz in der Synagoge.

Überlebende, bzw. deren Nachkommen wurden, so weit sie gefunden werden konnten, informiert und eingeladen. Von einigen blieb eine Antwort aus, andere bedauerten mit Hinweis auf ihr hohes Alter die Reise nicht antreten zu können.

Die Familie Bermann/Frank reiste mit zwanzig Personen nach Zell. Hilde Breitbart, Enkelin von Louise Frank, unternahm 85jährig die weite Reise aus den USA, begleitet von ihren vier Kindern, Enkeln und Urenkeln. Fünf Nachkommen von Karl Bermann kamen aus Israel.

Hilde Breitbart hielt in der Synagoge eine bewegende Ansprache
(übersetzt aus dem Englischen):

Mein Name ist Hilde Breitbart. Meine Eltern, Max und Mathilde Levi, lebten in Bausendorf. Meine Eltern hatten zwei Kinder, mich und Edgar, meinen jüngeren Bruder. Wir lebten ein einfaches Leben – meine Eltern besaßen einen kleinen Gemischtwarenladen und wir wohnten in dem Haus über dem Laden.
Meine Großmutter Louise lebte mit ihrer Schwester Jenny hier in Zell.
Damals lauteten die Einwanderungsbestimmungen in den USA, dass man einen Verwandten haben musste, der einen sponsert, damit man nicht zur Last wird.
Wir hatten das Glück, einen Onkel in den USA zu haben. Er war der Grund dafür, dass wir das Land verlassen konnten.
Meine Grossmutter wollte nicht gehen – sie war die Witwe eines dekorierten Kriegsveteranen. Sie sagte zu uns: “Warum sollte ich das Land verlassen wollen?
Ich bin die Witwe eines Kriegshelden. Uns wird nichts passieren.
Leider wissen wir, dass dies nicht der Fall war. 1938 wurden Louise und ihre Schwester nach Lodz, einem jüdischen Ghetto in Polen, geschickt und kurz darauf in ein Konzentrationslager gebracht, wo sie getötet wurden.
Wir sind heute hier, um ihr Andenken zu ehren. Und auch, um das wunderbare Projekt zu würdigen, das Gunther auf sich genommen hat.
Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut auf meinen Armen und meine Augen tränen, wenn ich daran denke, was er tut. Ich kann nicht genug darüber sprechen.
Ich möchte Herrn de Jong dafür danken, dass er all dies für mich und meine Familie möglich gemacht hat. Ich bin Frauke und Franz sehr dankbar für all ihre Bemühungen in unserem Namen, vielen Dank, Ruth.
Aber wir sind auch hier, um zu feiern. Feiern wir die Tatsache, dass meine Eltern klug und verständig genug waren, um zu erkennen, was vor sich ging, und dass sie das Glück hatten, in die Vereinigten Staaten zu gelangen.
Ich bin auch hier, um meine Familie zu feiern – ich habe vier Kinder, die sieben wunderschöne Enkelkinder hervorgebracht haben, und bis heute habe ich sechs Urenkel, von denen drei mit uns hierher gereist sind.
Ich bin auch hier, um zu feiern, dass dieses wunderbare Land aus der Asche des Holocaust, einer der schlimmsten Tragödien, die die Menschheit je erlebt hat, auferstanden ist. Eine Demokratie, die wie die USA für lebenslange Freiheit und das Streben nach Glück steht. Ein Land, das die Rechte des Einzelnen anerkennt. Das danach strebt, den Hass auf seine Mitmenschen nicht zuzulassen.
Heute hat dieser Hass leider sein hässliches Gesicht wiedererlangt. Es gibt diejenigen, die eine verdrehte Version ihrer Religion benutzen, um Hass, Tod und Zerstörung zu fördern. Der Antisemitismus erhebt hier in Europa und in der ganzen Welt sein hässliches Haupt. Ich weiß nicht warum, aber was ich weiß, ist Folgendes:

WIR DÜRFEN NICHT ZULASSEN, DASS DIESER HASS FORTDAUERT.

Wir müssen uns erinnern und das Gedenken an den Holocaust lebendig halten,
als Beispiel dafür, was Hass anrichten kann, und wir müssen gemeinsam,
wir alle auf der ganzen Welt, dafür kämpfen, dass dieser Hass aus der Menschheit verschwindet. Ich danke Ihnen, dass Sie mir gestatten, zu Ihnen zu sprechen.